Schreie aus der Metropole (Teil 1)

Montag, 13 März, 2006

Ich arbeitete auf dem Bau. Ich kam aus Bremen nach Frankfurt um zu studieren, bekam kein Bafög und hatte kaum was gespart um lange davon zu verzehren. Die Substanz des Kontos war wirklich überschaubar gering.
Ich hatte nicht viel drauf. Ich hatte ja nur die Abitur in der Tasche. Taxischein hatte ich nicht und für was anderes war ich nicht zu gebrauchen ausser als Fussball – oder Footballspieler. Darin war ich wiederum nicht gut genug um damit grossmässig geld verdienen zu können. Frankfurt beeindruckte mich nicht, ich weiss bis heute nicht warum ich dorthin kam in so jungen Jahren. Bremen war beschaulich, etwas unterdkühlt aber das war ich mittlerweile auch. Ich liebte den Hafen und hasste Hamburg wie die Pest.

Ich kam mit 5000 Mark in die Stadt und das war nichts für jemand der erstmal fuss fassen musste. Es kam nichts dazu aber jedentag ging was von ab und das Studentenzimmer musste ja auch bezahlt werden. Das Zimmer war nicht gross und auch nicht sehr Teuer aber immerhin kostete es mich 250 Mark im Monat.

Ich dachte ich muss unbedingt schnell was finden also ging ich runter mit den Erwartungen die eigentlich nie richtig hoch waren. Ich ging zu einer Arbeitsvermittlungszentrale und teilte mit dass ich einen gekonnten und sehr fähigen Bauarbeiter abgeben würde wenn sie mir denn die Möglichkeit geben würden mich zu beweisen. Ich stellte schnell fest dass mittlerweile fast keinen Job geben würde der selbstverständlich zu haben wäre. Auch als Kloputzer musstest du wahrscheinlich erstmal 5 Absagen über dich ergehen lassen bevor du den Traumjob angeboten bekammst.

Ich bekam keine Absage, mir wurde nur gesagt dass ich doch überqualifiziert wäre als der Sachbearbeiter mitbekam dass ich eine gute Abiturdurchschnitt hatte, fragte er mich was ich denn für ein Gehaltvorstellung hätte. Ich pokerte hoch und überschätzte mich:

„Ist mir egal was sie mir geben wollen solange ich mit 1000 Mark Netto am Ende dastehe“

„Hmm..Also 1000 Mark?“

„Richtig“

„Ok, wir melden uns bei Ihnen, sie haben ja die Telefonnummer dagelassen.“

„Richtig“

Ich kam raus aus dem Sklavenvermittlungsbüro und hatte eigentlich keine Hoffnung mehr als ich dann eine Woche später einen Anruf bekam und sie mir den Job gaben. Ich muss wohl eindruck gemacht haben.

Als erstsemestler kam ich garnicht zu studieren. Ich hab nur gearbeitet und zwar teilweise 10-12 Stunden auf dem Bau. Am Anfang waren sie vorsichtig und hielten sich an die 20 Stunden pro Woche für Studenten. Mir reichte es aber nicht. Ich sah die Gestallten an und wusste dass 80% des Belegschafts auf dem Bau ohnehin Schwarzarbeiter waren. Polen, Jugos, Rumänen, Russen, Türken.. und ein verdammter Iraner. Ich ging zu dem oberbauer und sagte:

„Ich kann länger Arbeiten wenn sie denn interessiert wären“

„Du bist doch Student“

„Egal, ich muss arbeiten und im Moment brauche ich die Kohle, das Studium muss ein bischen zurückstecken“

„Nein nein, sowas machen wir nicht!“

Am nächsten Tag kam der selbe Idiot auf mich zu und sagte dass sie bereit wären mich Vollzeit arbeiten zu lassen nur die Differenz zu den 20 Wochenstunden würde dann Bar auf die Hand ausgezahlt werden.

„Passt doch“

„Also morgen Früh um 6 am Bahnhof, es geht richtung Hattersheim“

„Geht Klar“

Die Sache geht noch weiter…

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Eine Antwort to “Schreie aus der Metropole (Teil 1)”

  1. waschsalon said

    ich hab mal aushilfsweise als palettenpacker in einem PLUS-lager gearbeitet. als sie nach einer woche raushatten, dass ich studiere, war ich unten durch. der gabelstapler hätte mich beinahe umgefahren, an dem tag, da die maloche vorbei war und ich die kohle zusammenhatte, wegen der ich den job überhaupt machte.

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