Licht

Samstag, 11 März, 2006

Es gab eine Zeit die für mich sehr schwierig war. Ich habe da Dinge durchgemacht die nicht für jedermann leicht zu verdauen wären. Mein Lebenslauf ist ohnehin gezeichnet von Härte und Schmerz. Nein, nein, kein Mitleid, für jemand der so gelebt hat ist Mitleid ein Schimpfwort. Ich möchte nicht die ganze Geschichte hier durchkauen aber ein bestimmter Aspekt beschäftigte mich im Nachhinein sehr.

Ich hatte mich in der schon erwähnten Zeit isoliert, ich begnügte mich mit Vergnügen damit Football zu spielen, Gustav Mahlers Symphonien zu hören, ein bischen zu studieren und viel in Bars zu arbeiten. Als Barkeeper. Irgendwann als der Druck zu viel wurde, habe ich mich umfunktioniert und habe mir selbst mehr eingeschenkt als den Gästen. Ich war ein guter Barkeeper, ich konnte mir solch ein Verhalten leisten und der Pub Besitzer konnte und wollte wohl auf mich nicht verzichten weil ich die englishsprachigen Gäste gut bei Laune hielt.

Spät, als ich ungefähr um 3 uhr Morgens den Laden dicht machte, bin ich nie nach Hause. Ich ging in den Parks, ich ging in andere Bars die noch auf hatten und versoff regelmässig mein Trinkgeld was damals sehr beachtlich war. Ich schlief teilweise mit 3 Frauen innerhalb einer Nacht und manchmal wachte ich Morgens auf und wusste nicht bei wem ich war und fand meistens nur ein Zettel vor mit Telefonnummer und ähnlichen Bullshit. Ich hatte eine kleine Studentenwohnung die ich aber in der Zeit nie von Innen sah. Ich schlief bei den Frauen die ich zuvor kennenlernte, in Telefonzellen, in Bars, in der Dresdner Bank. Ich began den Schmerz zu fühlen und damit umzugehen, ja ich gewöhnte mich sogar daran und wollte ihn nicht missen. Ich bekam pro Jahr immer ein mal die Grippe, in dem besagten Winter aber habe ich mich nicht einmal erkältet obwohl ich aus Masochismus heraus oft drausen im Freien schlief auch bei Temperaturen unter 5 Grad Minus.

Ich fing an das Alleinsein zu schätzen, ich arbeitete, studierte nicht richtig, trank viel, schlief überall nur nicht zuhaus, prügelte mich 5 oder 6 Mal innerhalb von 8 Monaten mit Amerikanern, Engländern, Iren, Deutsche, Türken, Marokkanern und hörte unaufhörlich Gustav Mahlers 5te. Das reichte mir. Die Oberflächlichkeit der anderen fiel mir öfter und genauer auf. Wenn ich Zeit fand schrieb ich Geschichten.

Das wichtigste was ich jedoch aus der Zeit ausser Nehmerqualitäten und Durchhaltevermögen mitnahm war den an Schärfe dazugewonnenen Verstand und die Klarheit des Blicks. Sobald sich der Mensch von der Gesellschaft geistig absondert, sich ganz in sich selbst zurückzieht, reisst ihm der Verstand die Brille von den Augen, die ihm alles in verzerrter Gestalt zeigte, sieht er die Dinge mit klarem Blick und begreift selbst nicht mehr, warum er dies alles nicht schon früher erkannt hat.

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