Befreiung der Seele oder temporärer Krankheitszustand?

Samstag, 11 März, 2006

Ich schlief in einer der Filialen der Dresdner Bank. Es herrschten durchgehend Minustemperaturen und ich hatte mich an meiner neuen Bude gewöhnt.

Nach der Arbeit im Bar ging ich noch weg bis manchmal um 8 Uhr Morgens. Wenn man Krank genug war, gab es immer Schuppen wo man noch hingehen konnte. Dort wo ich hinging, war ein Keller. Der Besitzer war ein menschlicher Genom und der Laden sah vor 1 Uhr morgens kein Gast.  

Alles stieg dort ab: Nutten, Zuhälter, Arbeitslose, Dealer, Psychopaten, Reiche, Arme, Häftlinge die Ausgang hatten…

Ich hatte mir als Barkeeper mittlerweile einen Namen gemacht und kannte alle Bedienungen und Barkeeper der Stadt. Das war ein Vorteil. Ich hatte in so einen Laden nie Probleme mit irgendwelche Zuhälter oder kranken Leuten gehabt. Denn ich gehörte zum Haus. Von den Schlägereien, Messerstechereien und Schiessereien hörte ich komischerweise immer ein Tag später von den anderen. Diese Sachen  passierten nie während ich dort verweilte.

Auf der Toilette wurde schick gekokst, es gab neben der Damentoilette einen kleinen Raum wo die Hausgäste und die die den Besitzer kannten hingehen konnten um zu koksen. Die die kein Zugang hatten mussten ca. 10 Minuten die Toilette blockieren. Anders gings nicht. Ich hatte 2 Mal Zugang zu dem besagten Raum.

Es gab zum Beispiel einen Typen der immer mit einer schwarzen BMW dorthin kam, sich umschaute, jemanden aussuchte um ihn beim koksen Gesellschaft zu leisten. Danach ging er runter, trank einen doppelten Jakie auf Eis und verabschiedete sich wieder. Ich weiss nicht ob er Krank war, aber der jenige der ohne was zu sagen mitmachte und umsonst mitkokste konnte nicht minder Krank gewesen sein. Einmal war ich der Assistent.

Wenn alles vorbei war, ging ich meistens zu meiner neuen Bude. Eine Filiale der Dresdener Bank an der Ecke von einer ruhigen Strasse. Ich hatte einige Banken durch und entschied mich für diese weil sie geräumiger und mit Teppichboden ausgestattet war. Am Anfang schämte ich mich. Ich habe immer darauf gehofft dass zu der Uhrzeit keiner mehr kam um Geldabzuheben. Heute kann ich eine Geschichte darüber schreiben was für Leute und zu welch unmöglichen Uhrzeiten sich in die Bank begeben um Geldabzuheben und was sie alles anstellen wenn sie auf ein leeres Bankkonto antreffen.

Sie kamen, sahen mich in der Ecke liegen. Einige taten so als ob es das normalste wäre. Sie ignorierten mich. Die Sorte war mir am liebsten. Ich konnte so sein wie ich wollte. Es gab auch welche die sich ein paar mal umdrehten um sicher zu gehen ob es wirklich wahr ist was sie da grade gesehen hatten. Nach einer Weile waren sie mir alle egal. Ich war gut angezogen, ich las Guy de Maupassant und Gustave Flaubert. Ich hätte jeden von diesen Typen in Grund und boden philosophieren können. Oft stellte ich mir vor was sie denn von mir denken würden und wie sie gucken würden wenn ich anfangen würde wie eine Lavine über sie herabzubrechen. Ich würde sie mit Wissen überrollen. Es kam nie dazu. Sie dachten ich wär nur ein armer kleiner Penner der versteht sich gut anzuziehen.

Der Winter ging vorbei und ich schlief wieder in meinem Studentenzimmer.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: