August

Samstag, 11 März, 2006

Wir hatten August und die Sonne schien unerbittlich in Saarbrücken. Ich spazierte durch die Gassen und Strassen und war grade dabei über die Brücke zu kommen als ich eine Taube sah die direkt auf mich zuflog und keinen Anstallten machte die Richtung zu ändern. Statt dessen aber pallte das Tier gegen ein Auto. Das Auto fuhr weiter, die Taube blieb auf der Strasse liegen. Plötzlich änderte sich die Stimmung. Aus den romantischen Sommergefühlen in sonnigen, frankophonen Saarbrücken, wurde Kälte. Nun kam in mir etwas kaltes und graues hoch. Die selben kalten Gefühle die ich oft in Frankfurt hatte.

Ein blondes Mädchen stieg vom Fahrrad und lief gleichzeitig mit mir zu der Taube hin.

>>Ist sie Tot? Was meinst du?

Ich fühlte mich seit Monaten Alt, und als ich sah dass sie mich duzte dachte  ich dass ich so Alt auch nicht sein kann. Ich hockte da und drehte die Taube auf den Rücken. Der Kopf machte die Bewegung nicht mit.

>>Das wars

Das Mädchen stellte das Fahrrad zu Seite und sagte

>>Ich brings nicht übers Herz sie anzufassen, willst du sie nicht aufheben?

Ich hob die Taube auf obwohl ich Tauben eigentlich nie mochte. Zumindest nicht diese graue Sorte die man massenweise in der Luft und auf den Dächern beobachten konnte. Ich mochte die hellbraunen kleinen Tauben die selten waren und auf die ich als Kind immer in dem riesen Garten meiner Tante in Teheran wartete. Diese war eine graue.

>>Was willst du damit jetzt machen?

>>Da gehört die Taube aber nicht hin, dann schmeissen sie nämlich morgen die Arbeiter ins Wasser

Ob jetzt die Taube im Wasser oder im Sand verfault, das wäre nicht weiter interessant dachte ich.

>>Hast dus eilig?

>>Nein

>>Dann gib mir mal die Tüte da

An ihrer Lenkstange hing ein Plastikbeutel vom irgendein Buchhandel.

>>Was ist denn da drin?

>>Ein Buch und ein Pullover

>>Dann kann die Taube auch da rein. Geblutet hat sie ja nicht, dann kannst du selber aussuchen was du mit ihr anstellen möchtest

Ich schmiss die Taube in die Tüte, hänge sie an ihrer Lenkstange. Sie schaute mich an und sagte nichts. Stieg aufs Fahrrad und fuhr weg.

Ich versuchte wieder Normal zu werden, ich war ja schliesslich ein harter Typ der viel Scheisse erlebt hatte. Vergeblich. Der Anblick eines fahrenden Mädchen mit einer toten noch warmen Taube in der Tüte, depremierte mich. Dagegen war ich noch nicht Immun. Da war ich noch nicht abgehärtet. Die Sonne verschwand langsam aus der Stadt und es kühlte ein wenig ab. Ich lief durch die Strassen richtung meiner Wohnung. Ich duschte kurz und ging zu einem Cafe am Saar. Es wehte ein angenehmer Wind, es war mittlerweile Dunkel und aus dem Cafe war Miles Davis zu hören. Das leben war wieder erträglicher…

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